Fasnacht am Bodensee: Gelebtes Brauchtum in der Vierländerregion

Eine Landschaft. Viele Masken. Vier Länder.
04.02.2026

Eine Landschaft. Viele Masken. Vier Länder.

Fasnacht am Bodensee: Gelebtes Brauchtum in der Vierländerregion

Konstanz (IBT) – Wenn Trommelschläge durch die Gassen hallen, kunstvoll geschnitzte Masken das Straßenbild prägen und närrisches Treiben den Winter verabschiedet, beginnt rund um den Bodensee die fünfte Jahreszeit. Die Fasnacht zählt zu den kulturellen Höhepunkten der Wintermonate und wird in der Vierländerregion Bodensee seit Jahrhunderten gelebt. In Deutschland, Österreich, der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein verbindet sie Menschen über Grenzen hinweg und macht einen gemeinsamen Kulturraum sichtbar.

Die schwäbisch-alemannische Fasnacht am Bodensee ist dabei weit mehr als eine Abfolge närrischer Veranstaltungen. Sie steht für jahrhundertealtes Brauchtum, das bis heute lebendig weitergegeben wird. Diese kulturelle Bedeutung wurde 2014 auch offiziell anerkannt: Die Schwäbisch-Alemannische Fasnacht wurde von der Deutschen UNESCO-Kommission in das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Bei zahlreichen Umzügen, traditionellen Läufen und gemeinschaftlichen Ritualen präsentieren sich Masken- und Hästräger aus vier Ländern. Jede Region präsentiert sich mit eigenen Figuren, Bräuchen und Dialekten.

Grenzüberschreitende Tradition mit Geschichte
Charakteristisch für die Fasnacht rund um den Bodensee ist ihre historisch gewachsene Vernetzung. Politische Grenzen spielen dabei kaum eine Rolle, vielmehr orientiert sich das närrische Treiben an gemeinsamen Traditionen, einem festen Jahresrhythmus und einem geteilten kulturellen Selbstverständnis. Die Fasnacht wird bewusst als Kulturerlebnis gelebt, bei dem Respekt vor dem Brauchtum, feste Abläufe und die Weitergabe von Wissen über Generationen hinweg im Mittelpunkt stehen.

Vier Länder, vier Handschriften der Fasnacht
In den deutschen Bodenseeregionen prägen traditionelle Narrensprünge, Zunftveranstaltungen und historische Masken das Ortsbild. Städte wie Konstanz, Überlingen, Meersburg oder Stockach stehen exemplarisch für die Vielfalt regionaler Figuren und überlieferter Rituale. In Stockach bildet das seit 1351 bestehende Narrengericht mit seiner über 675-jährigen Geschichte einen besonderen kulturellen Fixpunkt. Auch Meersburg feiert in diesem Jahr ein besonderes Fasnachtsjubiläum. Erstmals 1360 urkundlich erwähnt, blickt die Stadt auf 666 Jahre Fasnachtstradition zurück. Ergänzt wird das Jubiläum durch mehrere runde Geburtstage innerhalb der Narrenzunft Schnabelgiere Meersburg e. V., die die lebendige und generationenübergreifende Verankerung des Brauchtums unterstreichen.

In der Schweiz, insbesondere in den Kantonen St. Gallen, Thurgau und Schaffhausen, ist die Fasnacht geprägt von Guggenmusik, Schnitzelbänken und einer lebendigen Straßenfasnacht. Gereimte Spottverse, musikalische Darbietungen und gemeinschaftliche Rituale gehören hier ebenso selbstverständlich zur närrischen Zeit wie ausgeprägte lokale Eigenheiten, wie etwa die als „letzte Fasnacht der Welt“ bekannte Groppenfasnacht im thurgauischen Ermatingen. Sie findet nicht vor, sondern erst nach dem offiziellen Ende der Fasnacht, am Funkensonntag, statt. Der Brauch geht darauf zurück, dass Ermatingen früher verkehrstechnisch vom übrigen Bodenseeraum abgeschnitten war und die närrischen Bräuche zeitversetzt gefeiert wurden. Bis heute wird diese Tradition bewusst weitergeführt und markiert einen eigenständigen, bewusst verspäteten Abschluss der Fasnachtszeit.

Auch im Fürstentum Liechtenstein ist die Fasnacht fest im Jahreslauf verankert. Umzüge, Maskenbälle und Straßenfasnacht prägen das öffentliche Leben. Charakteristische Figuren sind die Föbinen und Föbüs, traditionelle Maskengestalten mit kunstvoll geschnitzten Holzmasken, die das regionale Brauchtum sichtbar machen. Als wichtiger Meilenstein gilt der erste organisierte Fasnachtsumzug in Schaan, der den Auftakt für eine immer noch lebendige Fasnachtstradition bildete und den offen gestalteten Charakter der liechtensteinischen Fasnacht unterstreicht.

Am österreichischen Bodenseeufer in Vorarlberg verbindet die Fasnacht alemannische Wurzeln mit regionalen alpinen Bräuchen. Die närrische Zeit beginnt hier teilweise bereits im November und wird von Vereinsleben, Umzügen und gemeinschaftlichen Ritualen getragen. Kulturgeschichtlich bestehen enge Bezüge zu den Krampus- und Perchtenbräuchen, die auf vorchristliche Winterrituale zurückgehen. Dämonische Masken und archaische Figuren prägen daher auch das fasnächtliche Geschehen und machen Vorarlberg zu einem kulturellen Bindeglied zwischen alemannischer Fasnacht und alpiner Brauchtumskultur.

Die intensivste Zeit der Fasnacht
In den Tagen rund um den Höhepunkt der Fasnacht, kurz vor Beginn der Fastenzeit, verdichtet sich das närrische Geschehen im gesamten Bodenseeraum. Über Ländergrenzen hinweg prägen Narrensprünge, Umzüge, Masken und gemeinschaftliche Rituale das öffentliche Leben. Städte und Gemeinden in Deutschland, der Schweiz, in Österreich und in Liechtenstein bringen in dieser Phase ihre jeweils eigenständigen Traditionen ein und machen die Fasnacht als gelebten Kulturraum sichtbar. Historische Figuren, überlieferte Bräuche und fest verankerte Abläufe bestimmen das Ortsbild und verbinden lokale Identität mit grenzüberschreitender Nähe.

Authentischer Zugang zur Fasnachtskultur
Für Gäste eröffnet sich rund um den Bodensee ein authentischer Zugang zu einer der vielfältigsten Fasnachtslandschaften im alemannischen Raum. Statt großer Eventformate steht das gewachsene Brauchtum im Vordergrund und ist in historischen Ortskernen, bei traditionellen Umzügen und im gemeinschaftlichen Miteinander der Region erlebbar. Die Fasnacht macht den Bodensee in der Winterzeit als gemeinsamen Kulturraum sichtbar, der Menschen verbindet und Geschichte über Grenzen hinweg vermittelt.

 

Weitere Informationen & Termine zur Fasnacht
Aktuelle Informationen zu Veranstaltungen, Umzügen und Terminen der Fasnacht in der Vierländerregion Bodensee finden Sie unter Fasnacht am Bodensee.
 

Diese Pressemitteilung ist dem Themenjahr „Natur & Kultur“ der Internationalen Bodensee Tourismus GmbH zugeordnet. Im Fokus steht der Bodensee als gemeinsamer Kultur- und Naturraum, in dem Landschaft, Traditionen und gesellschaftliches Leben seit Jahrhunderten miteinander verbunden sind.

Über die IBT GmbH:
Die Internationale Bodensee Tourismus GmbH (IBT GmbH) ist die verbindende Destinationsmanagement- und Marketingorganisation der Vierländerregion Bodensee. Dabei vertritt die IBT GmbH die Interessen von neun Gesellschaftern aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und dem Fürstentum Liechtenstein. Das zentrale Produkt der IBT GmbH für Gäste und Einheimische ist die Bodensee Card PLUS, welche über 160 Leistungsträger aus vier Ländern verbindet und länderübergreifende Reiseanlässe schafft. www.bodensee.eu

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Internationale Bodensee Tourismus GmbH
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