Freigespülte prähistorische Pfähle in Unteruhldingen-Stollenwiesen © Landesamt für Denkmalpflege

Pfahlbauten am Bodensee: Ein unsichtbares Weltkulturerbe?

18 Juli 2018
von Sabine Hagmann, Archäologin
www.unesco-pfahlbauten.org
Wer an einer Pfahlbaufundstelle steht und Pfähle sucht, der merkt schnell, dass sich die Frage nach der Lage der Pfahlbauten doch nicht so einfach beantworten lässt!

Seit 2011 befinden sich die „Prähistorischen Pfahlbauten um die Alpen“ auf der Liste des UNESCO Weltkulturerbes. Ein Grund sich mit diesem Thema näher zu beschäftigen. Doch wo liegen diese Pfahlbauten eigentlich?

Diese Frage wird mir als Archäologin häufig gestellt. Aus wissenschaftlicher Sicht ist diese Frage natürlich einfach zu beantworten: Rund um die Alpen gibt es Pfahlbausiedlungen, sie bilden zusammen eine serielle transnationale Welterbestätte. Von prähistorischen Pfahlbauten rund um die Alpen spricht man seit rund 150 Jahren: Ferdinand Keller, Vorsitzender der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich, fielen 1854 bei extremem Niedrigwasser aus dem Seegrund ragende Holzpfähle im Zürichsee auf. Er interpretierte sie als Reste von auf Plattformen errichteten Pfahlbausiedlungen. Von Häusern auf Pfählen, die über offenen Wasserflächen errichtet wurden, berichteten im 19. Jahrhundert Forschungsreisenden aus den Südseeparadiesen.

Wer aber an einer Pfahlbaufundstelle steht und Pfähle sucht, der merkt schnell, dass sich die Frage nach der Lage der Pfahlbauten doch nicht so einfach beantworten lässt: Die Pfahlbaufundstelle Konstanz-Hinterhausen liegt am Nordufer des Konstanzer Trichters am renaturierten Ufer. Man hat hier einen wundervollen Blick über den See und kann bei gutem Wetter das Alpenpanorama genießen. Aber Häuser auf Pfählen sieht man nicht. Und das hat einen guten Grund: Die Pfähle liegen unsichtbar unter Wasser- oder Moorbedeckung. Doch ganz verborgen bleiben die kulturellen Schätze nicht. Meist nicht weit von den Fundstätten entfernt, befinden sich Museen, welche die interessantesten Funde für Besucher zugänglich machen. Ganz in der Nähe der Fundstätte Konstanz-Hinterhausen liegt beispielsweise das Archäologische Landesmuseum. Hier gibt es einen Info-Point zum UNESCO-Welterbe. Die „Welt der Pfahlbauten“ bietet großartige Einblicke in wichtige Erfindungen der Jungsteinzeit. Das nächste Ziel ist das Rosgartenmuseum in der Rosgartenstraße, mitten in Konstanz. Das Museum wurde 1870 von Ludwig Leiner gegründet. Im historischen Leinersaal, der heute unter Denkmalschutz steht, kann man in die Zeit der frühen Pioniere der Pfahlbauforschung eintauchen. Sorgfältig sind Fundstücke der Geologie, Paläontologie und natürlich der Archäologie gesammelt und liebevoll präsentiert. Man fühlt sich in die Zeit der frühen Entdeckungen ins 19. Jahrhundert zurückversetzt: alte Vitrinen, die Beschriftungen an den Fundstücken, die sorgfältig aufgereiht nebeneinander liegen, alles lässt immer noch die Begeisterung erkennen, mit der damals die Funde gesammelt wurden. Die Pfähle selbst liegen also verborgen unter der Wasseroberfläche. In den Museen sind aber zahlreiche Funde zu entdecken - auch aus der Station Konstanz-Hinterhausen. 

Alles rund um die Prähistorischen Pfahlbauten in der Vierländerregion Bodensee gibt es hier »

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