Fasnacht am Bodensee

Vier Länder feiern die fünfte Jahreszeit

Trommelschläge, bunte Kostüme und närrisches Treiben: die vier Länder rund um den See feiern die fünfte Jahreszeit. Einst sollten die altehrwürdigen Masken und der Klang der Fanfaren den langen Winter vertreiben. Heute ist die Fasnacht einer der Höhepunkte der Winterzeit, bei dem jahrhundertealtes Brauchtum jedes Jahr aufs Neue zum Leben erweckt und rauschend gefeiert wird. Bei zahlreichen Umzügen, Bällen und närrischen Aktionen lassen sich traditionsreiche Masken und Hästräger aus vier verschiedenen Ländern bestaunen, wodurch die Fasnacht am Bodensee erst einzigartig wird.

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Termine
22.02 - 01.03.2017 | täglich
Zusatzinformationen

Übrigens: die "Schwäbisch-Alemannische Fastnacht" wurde im Jahr 2014 in das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen.

Konstanz: “Ho Narro!”
“Ho Narro!“ schallt es während der Fasnachtszeit durch Konstanz, wenn sich die Narren untereinander grüßen. Mit dem Butzenlauf (22.02.2017), einer der ältesten Fasnachtstraditionen Süddeutschlands, übernehmen die Narren für die kommenden Tage das Regiment in der größten Stadt am See. Am Hemdglonker (Schmotziger Dunschtig, 23.02.2017) ziehen die in weißen Nachthemden gekleideten Umzugsteilnehmer singend und lärmend durch die Gassen. Ein weiterer Höhepunkt der Konstanzer Fasnacht ist der Sonntagsumzug (26.02.2017) durch die historische Innenstadt.

Hänselejuck und Narrengericht
Mit seinen schönen Plätzen, den alten Gebäuden und eleganten Häusern ist Überlingen eine der bezauberndsten Städte am Bodenseeufer. Der Fasnachtssamstag (25.02.2017) ist sicherlich der richtige Moment für einen Besuch, wenn die traditionellen Hänsele Peitschen knallend, lärmend und hüpfend durch das mittelalterliche Franziskanertor und die erleuchtenden Straßen ziehen, um nicht nur dem Winter den Garaus zu machen. In Stockach, nordwestlich von Überlingen, tagt am Schmotzigen Dunschtig das traditionsreiche „Hohe Grobgünstige Narrengericht zu Stockach“. Personen des öffentlichen Lebens, darunter häufig Landes- oder Bundespolitiker müssen vor dem närrischen Rügegericht die bissige Rede des Klägers über sich ergehen lassen. Im Jahr 2017 verhandelt das Gericht gegen die Ministerpräsidentin des Landes Rheinland-Pfalz, Vorsitzende der Rundfunkkommission der Länder und Präsidentin des Deutschen Bundesrates Malu Dreyer (SPD). Dies ist gleichzeitig die 50. Verhandlung gegen eine Person des öffentlichen, politischen Lebens.

Mittelalterliche Schreier und Hexen in Oberschwaben
Einige der charakteristischsten Masken der schwäbisch-alemannischen Fasnacht findet man in Oberschwaben. Hier besteht eine lange Fasnachtstradition, die in einigen Fällen auf die große Pest im XIV. Jahrhundert zurückgeht. In Bad Saulgau erinnert der Dorausschreier (der Türschreier) an eine Pestgestalt, die bewaffnet mit einem Korb an einem sehr langen Stock Lebensmittel zu den Kranken brachte. Besonders beeindruckend ist der Hexentanz der Schrättele von Bad Waldsee, die um Mitternacht den Beginn des Schmotzigen Dunschtig mit einem Tanz um ein großes Feuer einläuten. In Bad Saulgau ist der Fasnachtsfreitag (24.02.2017) den Kindern gewidmet, die sich traditionell verkleiden und das Gesicht mit Kohle schwärzen, um sich bei einem großen Ball mit Spielen, Süßigkeiten und anderen Leckereien zu vergnügen.

Fasnacht in St.Gallen, Liechtenstein und Vorarlberg
Früh auf den Beinen muss man sein, um die traditionelle Aaguggete in St.Gallen nicht zu verpassen: am Schmotzigen Dunschtig um 6 Uhr morgens erwacht die UNESCO-Stadt aus der nächtlichen Trägheit und feiert die Fasnacht mit Masken, Bällen, Konfetti und der traditionellen Guggenmusik. Bis zum Fasnachtsdienstag löst in der Stadt ein Event das Andere ab. Wer Masken und Umzüge im nahe gelegenen Fürstentum Liechtenstein sucht, der wird im Dorf Schaan fündig, wo die Fasnacht besonders populär ist. Am letzten Fasnachtsabend (28.02.2017) wird mit großen Lagerfeuern, Hexenverbrennungen und Klageliedern das Ende des närrischen Treibens gefeiert. In Voralberg werden die Feuer erst am ersten Fastensonntag angezündet. Bei Einbruch der Dunkelheit wird eine Stoffpuppe an einem Holzpfahl verbrannt.

Ermatingen feiert die letzte Fasnacht der Welt
Das Fischerdorf Ehrmatingen im Thugau feiert die sogenannte Groppenfasnacht bis zum vierten Sonntag der Fastenzeit (dieses Jahr am 26. März 2017). Der Überlieferung nach fand Papst Johannes XXII während des Konzils von Konstanz Zuflucht in Ermatingen und wurde mit gebackenen Groppen, kleinen Raubfischen, verköstigt. Dafür belohnte er die Einwohner indem sie die "letzte Fasnacht der Welt" feiern konnten, während anderswo bereits Buße auferlegt war. Das Wahrzeichen der Groppenfasnacht in Ermatingen ist der Gropp, ein riesiger Fisch aus Pappmasche, der bei keinem Umzug fehlen darf.